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9. Juli 2024

Herberts Welt #14

Ausgabe No. 15 der "Mafo.de-Kolumne "Herberts Welt"! Thema ist dieses Mal die sehr auffällige "teutonische Zurückhaltung" bei den größten internationalen Marktforschungskongressen - ganz exemplarisch bei der kommenden ESOMAR 2024 in Athen im September.

Was Herbert daraus macht und warum das keinesfalls als Drohung missverstanden werden sollte, lesen Sie hier im folgenden Abdruck von "Herberts Welt"! Viel Spaß beim Lesen!

”Oh no! Here come the Germans…“ oder etwa doch nicht!?

"Oh no! Here come the Germans …" hieß es früher zumindest, immer wenn eine kleine Gruppe deutscher Delegierte das internationale Parkett betrat. "Oh no! Here come the Germans ...", also hier kommt die Methodendiskussion, hier kommt die generelle deutsche Skepsis, hier kommt die "German Angst" vor neuen Entwicklungen und hier kommt die Erinnerung an den Deutschen Zusatzkodex zum ESOMAR-Kodex. Hier kommen die Unbequemen, die Kritiker, die Unbeliebten. Diese Zeiten sind aber, wie es scheint, schon lange vorbei ...

Denn: United Kingdom hat 27, die USA 14, Kanada sieben und Frankreich sechs. Es geht weiter mit den Niederlanden und Australien: Beide fünf. Am Ende der Liste von insgesamt 25 Ländern stehen unter anderem Costa Rica, Chile und Litauen mit immerhin noch einem.

27 und 14 was? Nein, das sind keine Zahlen aus dem Sport, also nichts mit Fußball, Tennis oder Tour de France. Es beschreibt die Zahl der vortragenden Speaker auf der kommenden ESOMAR 2024-Konferenz in Athen.

Vier Tage Programm zum Motto "Mind, Myth, Machine" mit etlichen spannenden Events und einem Who-is-Who an Köpfen, die ihre neuesten Erkenntnisse mit dem Publikum teilen werden. Hier der Link zur Agenda.

Aber - und darauf will ich nun hinaus - wie viele Redner aus Deutschland tauchen auf im Programm? Es sind tatsächlich Null Redner. Ja, Null. Wirklich? Ja, NULL!!!

Aus der Schweiz sind es immerhin zwei, aus Österreich aber ebenso null. Macht summa summarum zwei aus dem kompletten deutschsprachigen Raum. Aber zurück zu uns:

Deutschland ist als Schwergewicht der globalen Wirtschaft (und Marktforschung) auf der ESOMAR nahezu unsichtbar?!

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt mit einer extrem umsatzstarken Insights-Industrie ist auf der weltweit wichtigsten Veranstaltung unserer Branche mit keinem einzigen Repräsentanten im Programm vertreten. Ist das erst mal nur interessant oder doch schon schockierend?

Auf jeden Fall ist es wenig überraschend. Denn schon im vergangenen Jahr (ESOMAR 2023 in Amsterdam) zählten die Veranstalter ganze 14 deutsche Gäste, mich mitgezählt! 14 Gäste unter mehr als 1.500 Delegierten. Deutschland demnach vertreten durch weniger als 1% der Teilnehmer. Echt jetzt? Ja, leider schon.

Die ESOMAR 2024 als Knowledge-Hub schlechthin!

Kurz zur Information, worum es auf der diesjährigen Konferenz geht: Sämtliche vier Tage fokussieren fast durchgängig auf die zentralen Trends unserer Branche, d.h. Künstliche Intelligenz ist thematisch so gut wie überall dabei. Ebenso prominent geht es um die aktuelle Hirn-, Emotions- und Empathie-Forschung, Brand-Development, (synthetisches) Konsumentenverhalten, Nachhaltigkeitsstrategien, Erkenntnisse aus der "Reality-Wahrnehmung", Entwicklungen zu GenZ und GenAlpha und nicht zuletzt um Prognosen zur Medien- und Werbeforschung.

Als Researcher aus ganzem Herzen kann man da nur sagen: Was für eine Agenda! Vielfältig und anspruchsvoll, was da im Herbst in der griechischen Hauptstadt geboten wird. Nicht ganz unbescheiden bezeichnet sich die ESOMAR selbst als "The champion of the insights sector". Und zwar mit dem Versprechen: "The global business community for every insights and analytics professional". Große Worte, zugegeben. Doch sowohl die Themen als auch die Speaker geben es auch her!

Unser Spielfeld ist längst nicht mehr nur Deutschland oder Europa!

Die ESOMAR Konferenz wie gehabt als zentraler Knowledge-Hub für uns Insight-Professionals. Aber wieso waren dann nur knapp drei Handvoll Besucher aus Deutschland letztes Jahr vor Ort? Und wieso kein einziger von uns auf der Bühne in diesem Jahr? Markt- und Meinungsforschung ist doch längst ein globales Business. Kaum ein Institut leistet es sich heutzutage, nur den heimischen Markt zu bespielen. Selbst Europa ist den meisten noch zu klein. Schon das sollte Grund genug sein für unser Land, auch zahlenmäßig möglichst stark auf diesem Kongress präsent zu sein, um so aktiv unsere Interessen zu vertreten, eigene Initiativen anzustoßen und damit künftige Entwicklungen mitzugestalten.

Oder sind sich die Deutschen aufgrund ihrer Größe etwa selbst genug? Das würde ich für sehr kurzsichtig halten. Bereits seit Jahrzehnten kommen doch Innovationen zu Technik, Methoden und Prozessen nur noch selten aus unserer Mitte, d.h. gängige Branchen-Konventionen werden längst international verhandelt. Letztere eben vor allem auf Foren wie der IIEX oder ESOMAR, auf der wir aber scheinbar chronisch unterrepräsentiert sind.

Meiner Meinung nach brauchen wir also einen neuen Anfang: Mehr Proaktivität, mehr Präsenz und mehr Dynamik aus uns selbst heraus!

Genug gesagt, denn machen ist wie wollen, nur krasser: Ich möchte das "German Lunch" wieder auferstehen lassen. Aber mit einem Zusatz: Aus dem German Lunch wird das "DACH-Dinner" - als Treffpunkt der deutsch-sprachigen Research-Community!

Das "DACH-Dinner" wird im Rahmen der ESOMAR Konferenz stattfinden und soll - ganz im wörtlichen Sinne - die deutschsprachige Community wieder stärken, oder zumindest seinen Teil dazu beitragen. Und das unter absolut besten Networking-Bedingungen in einer der ältesten und schönsten Städte der Welt.

Save the date am 8. September 2024 ab 18.00 Uhr in Athen!

Hiermit lade ich also alle deutschsprachigen, akkreditierten Teilnehmer der diesjährigen ESOMAR herzlich ein, den Vorabend zur Konferenz gemeinsam in einer exklusiven Runde zu verbringen. Lasst uns versuchen, der deutschen Stimme wieder mehr Schwung und Kraft einzuhauchen.

Das "DACH-Dinner" wird gesponsort von moweb research und AMR Advanced Market Research und ist kostenlos für alle Mitglieder von ADM, BVM, DGOF, VMÖ und Swiss-Insights.

Dass ich mir persönlich mehr hiesige Besucher und Vertreter bei Kongressen dieser Art wünsche - das habe ich hiermit klargemacht. Noch besser wäre es, würden sich auch wieder mehr Experten aus unseren Reihen auf der offiziellen Agenda der Fachvorträge wiederfinden! Zumindest langfristig sollte das doch unser aller Ziel sein.

Wer ist in Athen dabei?

Meine Einladung zum 08. September um 18.00 Uhr steht hiermit. Versprochen! Anmeldung auf: www.weloveresearch.com.

Das "DACH-Dinner" in Athen klingt bereits wie ein tolles "Match", schließlich hat sich der deutsche Gaumen schon immer sehr gut mit der griechischen Küche vertragen. In diesem Sinne: "Τα λέμε στην Αθήνα"! See you in Athens! Ich freue mich drauf!


Herbert Höckel

Herbert Höckel ist geschäftsführender Gesellschafter hier bei bei der moweb research GmbH. Seit mehr als 25 Jahren ist er Marktforscher. 2004 gründete er die moweb GmbH, welche er bis heute als Inhaber führt. Die moweb aus Düsseldorf ist international tätig und eines der ersten deutschen, auf digitale Verfahren spezialisierte Marktforschungsinstitute.

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